Schutzbedarfsanalyse
- Grundlegende Definitonen nach BSI-Grundschutz
- Definition Schutzbedarfskategorien
- Schutzbedarfsfeststellung
❓💬 Welchen Zweck erfüllt die Schutzbedarfsanalyse?

❓❗ Wie wird die Schutzbedarfsanalyse durchgeführt?
Grundlegende Definitonen nach BSI-Grundschutz
Zielobjekte für Schutzbedarfsfeststellung
- Daten
- datenverarbeitende Prozesse, Anwendungen, Systeme
- Kommunikationsverbindungen
- Räume
3 Schutzbedarfskategorien
(bitte nicht mit den 4 Risikokategorien der Risikoanalyse verwechseln)
- Normaler Schutzbedarf
- Hoher Schutzbedarf
- Sehr hoher Schutzbedarf
Definition Schutzbedarfskategorien
=> auf Basis von:
6 Schadensszenarien
- Beeinträchtigungen der persönlichen Unversehrtheit
- Verstöße gegen Gesetze, Vorschriften oder Verträge
- Beeinträchtigungen des informationellen Selbstbestimmungsrechts
- Beeinträchtigungen der Aufgabenerfüllung
- negative Innen- oder Außenwirkung
- finanzielle Auswirkungen
Beispiel:
| Normaler Schutzbedarf | Hoher Schutzbedarf | Sehr hoher Schutzbedarf | |
|---|---|---|---|
| - mögliche Beeinträchtigungen der persönlichen Unversehrtheit | nein | nicht stark/dauerhaft | stark/dauerhaft |
| - mögliche Verstöße gegen Gesetze, Vorschriften oder Verträge | geringfügige Strafen | schwerwiegende/hohe Strafen | existenzbedrohende Strafen |
| - mögliche Beeinträchtigungen des informationellen Selbstbestimmungsrechts | geringfügige/tolerierbare Auswirkungen für Betroffenen | Beeinträchtigungen, aber ohne dauerhaften Folgen | stark/dauerhaft |
| - mögliche Beeinträchtigungen der Aufgabenerfüllung | allenfalls unerheblich | erhebliche Beeinträchtigung; Ausfallzeiten >24h nicht tolerierbar | starke Beeinträchtigung; Ausfallzeiten >2h nicht tolerierbar |
| - mögliche negative Innen- oder Außenwirkung | kein Ansehensverlust bei Kunden und Geschäftspartnern | Ansehen bei Kunden/Geschäftspartnern wird erheblich beeinträchtigt | Ansehen bei Kunden/Geschäftspartnern wird grundlegend und nachhaltig beschädigt |
| - möglicher finanzieller Schaden | geringfügig (< XXX €) | schwerwiegende/hoch (< YYYYYY €) | existenzbedrohend (>= YYYYYY €) |
Schutzbedarfsfeststellung
Mittels eines systematischen Interviews werden allen Zielobjekten für die Schutzziele jeweils eine Schutzbedarfskategorie zugewiesen: Beispiel
Bei Vererbung wird in vielen fällen das Maximumprinzip angewendet. Dieses sagt aus, dass von allen Einzelbewertungen der höchste Schutzbedarf für das Gesamtsystem übernommen wird.
💡 BSI Checkliste für das Interview zur Schutzbedarfsfeststellung
Beispiel für Zielobjekt „E-Mails“:
- Vertraulichkeit (verletzt falls jemand Mails mitlesen kann):
- Schutzbedarf sehr hoch:
- Wenn dadurch Identitätsdiebstahl begannen wird
und folgen „finanziell existenzbedrohend“ sein können, falls:
- Ein Angreifer Passwörter für Zugänge zurücksetzen kann
- Mail für 2FA wichtige Dienste verwendet wird
- Integrität (verletzt falls jemand Mails manipulieren kann):
- Schutzbedarf (sehr) hoch:
- Wenn per Mail versendete Dokumente verfälscht werden
(bzw. wenn Authentizität nicht gewährleistet):
- „Erheblicher Reputationsschaden möglich”
- „Schwerwiegender finanzieller Schäden möglich“
- „Potentiell hohe Strafen bei Verstößen gegen Verträge“
- „Angriffe durch Phishing könnten hohen finanziellen Schaden verursachen“
- „Verbreitung von Schadsoftware mit erhebliche Beeinträchtigung möglich“
- Verfügbarkeit (verletzt wenn Mails nicht gelesen oder gesendet werden können):
- Schutzbedarf normal:
- Wenn Arbeitsabläufe von Mail unabhängig sind
- z.B. Ausfall für wenige Tage ist kein Problem
„Ich schau da eh selten rein“ ;)
Interpretation
Für normalen Schutzbedarf:
- IT-Grundschutzhandbuch -> IT-Grundschutz-Kataloge -> IT-Grundschutz-Kompendium
Zusätzlicher Analysebedarf (Risikoanalyse) falls:
- Ein Zielobjekt hat einen hohen oder sehr hohen Schutzbedarf in mindestens einem der Schutzziele
- Es gibt für ein Zielobjekt keinen hinreichend passenden Baustein im IT-Grundschutz-Kompendium.
- Es gibt zwar einen geeigneten Baustein, die Einsatzumgebung des Zielobjekts ist allerdings für den IT-Grundschutz untypisch.